Perestrojka
In den Kreisen Höxter, Lippe und Paderborn wurde im Zeitraum November 2008 bis April 2010 ein innovatives Modellprojekt durchgeführt, in dem zum ersten Mal AussiedlerInnen und MigrantInnen aus der ehemaligen UdSSR als Zielgruppe angesprochen wurden. Gefördert wurde dieses Projekt vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF). Das Projekt wurde durch die Argen der Kreise Höxter, Lippe und Paderborn kofinanziert.
Der Regierungsbezirk Detmold ist Hauptzuwanderungsgebiet von AussiedlerInnen und MigrantInnen aus der ehemaligen UdSSR, seit 1987 sind mehr als 170.500 AussiedlerInnen dem Regierungsbezirk Detmold zugewiesen worden. Diese Situation stellt die Region vor eine besondere Herausforderung im Bezug auf die Integration dieser Menschen und so hat man sich in OWL gemeinsam mit lokalen Migrantenselbstorganisationen auf den Weg gemacht, neue Wege der Integration zu erkunden. Im Zentrum des Projektes stand die Integration auf dem Arbeitsmarkt. Um die Arbeit möglichst effizient zu gestalten und regionale Besonderheiten zu berücksichtigen, variierten die Arbeitsschwerpunkte in den drei Kreisen.
Die zentralen Ansätze des Projektes
Wesentlicher Bestandteil des Projektes war die Zusammenarbeit mit den lokalen Migrantenselbstorganisationen (MSO). AussiedlerInnen und MigrantInnen begegneten den Arbeitsmarktakteuren in diesem Projekt auf Augenhöhe. Ziel war hier nicht ein Projekt für AussiedlerInnen und MigrantInnen, sondern ein Projekt mit AussiedlerInnen und MigrantInnen aus der ehemaligen UdSSR durchzuführen.
Hier setzte auch die zweite Überlegung an. Bestehende „Komm-Strukturen“ wurden durch „Geh-Strukturen“ ergänzt. Auf AussiedlerInnen und MigrantInnen zuzugehen und sie einzuladen, erreicht mehr Menschen als nur die Türen zu öffnen.
Als dritter zentraler Punkt ist die Verzahnung von Arbeitsmarkt- und Integrationspolitik zu nennen. Durch die Integration von AussiedlerInnen und MigrantInnen auf dem Arbeitsmarkt findet parallel eine Integration auf der gesellschaftlichen Ebene statt. Oftmals wird bei der Arbeit überhaupt ein erster Kontakt zwischen „Alteingesessenen“ und AussiedlerInnen und MigrantInnen hergestellt. Gemeinsames Arbeiten schafft gemeinsame Ziele und das Arbeiten auf gemeinsame Ziele hin erfordert Kommunikation zwischen den Mitarbeitern. Das gemeinsame Erreichen von Zielen schafft gemeinsame Erfolge und gemeinsame Erfolge schaffen Vertrauen. So wird durch Arbeit und Vertrauen eine kommunikative Brücke geschaffen, die den weiteren Dialog zwischen AussiedlerInnen, MigrantInnen und „Alteingesessenen“ tragen kann.
Perestrojka in Lippe
Im Kreis Lippe stand der Übergang zwischen sprachlicher Förderung des BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) und arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen im Zentrum der Arbeit. Einzelne, bisher nebeneinander existierende Förderungen wurden durch das Projekt besser miteinander verzahnt. Viele AussiedlerInnen und MigrantInnen leben in Sozialräumen, in denen die Heimatsprache einen Großteil der Kommunikation ausmacht. Ziel war, die in den Sprachkursen erworbenen Deutschkenntnisse durch Anwendung in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen am Leben zu halten. Ergänzt wurde die Arbeit der Maßnahmen durch einen Jobcoach der individuelle und familiäre Problemlagen aufarbeitet. Im Anschluss wurden der ARGE Lippe pro Arbeit individuelle Förderempfehlungen gegeben. Daneben wurden in Lippe MultiplikatorInnen ausgebildet, die ihr Wissen in den „Integration plus“ Kursen weitergeben und so für Nachhaltigkeit sorgen. Die Netzwerk Lippe gGmbH und der Verein Freundschaft – Druschba arbeiteten hier gemeinsam, um diese Ziele umzusetzen.
Perestrojka in Höxter
Im Kreis Höxter lag der Schwerpunkt in der Arbeit mit jungen Frauen. Hier wurden IntegrationslotsInnen ausgebildet, die AussiedlerInnen und MigrantInnen aus der ehemaligen UdSSR helfen wollen, sich besser in den Arbeitsmarkt und in die Gesellschaft zu integrieren. Da der Kreis Höxter eine ländlich strukturierte Besiedlung aufweist, fanden die Schulungen dezentral an den Standorten Höxter, Willebadesssen und Brakel statt. Der Schwerpunkt der Schulungen lag in den Bereichen Arbeitsmarkt, Bildung und Soziales. Arbeitsmarktpolitische Qualifizierungsmaßnahmen ergänzten die Schulungen und verbessern so die Integration von AussiedlerInnen und MigrantInnen aus der ehemaligen UdSSR in den Arbeitsmarkt. Im Kreis Höxter arbeiteten fundus e.V., das ESTA Bildungswerk und der VHS Zweckverband Warburg-Beverungen-Borgentreich-Willebadessen mit dem Verein „MOCT – Brücke“ zusammen.
Perestrojka in Paderborn
Im Kreis Paderborn stand die berufliche und soziokulturelle Integration von Jugendlichen bzw. jungen AussiedlerInnen und MigrantInnen aus der ehemaligen UdSSR im Vordergrund. Die Arbeit an gemeinnützigen, sozialraumbezogenen Projekten stand im Zentrum der Arbeit. Durch gemeinnützige Arbeit in ausgewählten Projekten sollten durch die Jugendlichen, jungen AussiedlerInnen und MigrantInnen aus der ehemaligen UdSSR positive Zeichen in die Gesellschaft gesendet werden. Qualifizierung in den Berufsfeldern Holz, Metall, Garten- und Landschaftsbau sowie Coaching in den Bereichen soziale Kompetenz, Sprachförderung, Medienkompetenz, EDV- und Bewerbertraining rundeten das Konzept des Projektes ab. In Paderborn war die MultiplikatorInnenschulung mit „KOMM-IN“-Projekten des Kreises und der Stadt verzahnt. Die Umsetzung des Projektes fand durch eine Zusammenarbeit der tbz Bildung gGmbH und des Vereins Monolith e.V. statt.

